Familienname Rumstedt

 

 

Horst Rumstedt, Kunstmaler, Bildhauer, Dichter

Erst durch die Familienforschung habe ich erfahren, dass es einen Künstler unter meinen Verwandten gab. Der Maler und Bildhauer Horst Rumstedt wurde 1921 in Sangerhausen geboren und starb 1986 in Otzberg. Ein Bild seines Grabsteines findet sich in der Datenbank des Vereins für Computergenealogie. Er hat auch einen Eintrag bei Wikipedia .

Horst Rumstedts Großvater, Christian Friedrich Wilhelm Rumstedt (*1853 Voigtstedt, † 1903 Sangerhausen) und mein Ururgroßvater, Karl Otto Rumstedt (*1862 Sangerhausen, † 1907 Halle/Saale), waren Brüder. Horst Rumstedt ist damit mein Großonkel 3. Grades.

Der Vater von Horst Rumstedt war Paul Rumstedt, Gärtner in Sangerhausen. Laut den Eintragungen in den Sangerhäuser Adressbüchern[1] (Ausgabe 1920-1950/51) wohnte Paul Rumstedt in der Straße Kurzefeld 3, heute Ewald-Gnau-Straße.

Wie den Eintragungen im Frankfurter Telefonbuch (Quelle: Deutsche Telefonbücher , 1915-1981) zu entnehmen ist, wohnte Horst Rumstedt in den Jahren 1952-1957 in der Stettenstr. 10, 1958 in der Raimundstr. 29 in Frankfurt/Main. Dann ist für mehrere Jahre kein Eintrag mehr von ihm zu finden. Vielleicht befand sich Horst Rumstedt in dieser Zeit im Ausland. Erst ab 1967 ist er wieder verzeichnet, ohne genaue Straßenangabe, nur mit dem Eintrag Hering (ab 31.12.1971 zur Gemeinde Otzberg).

Im September 2008 bekam ich eine Mail von einer Dame, die beim Rumstöbern auf dem Speicher ihrer Eltern ein Gemälde von Horst Rumstedt gefunden hat. Sie recherchierte im Internet nach dem Namen und fand schließlich meine Ahnenforschungshomepage. Sie bot mir das Gemälde an und ich nahm es dankend an.

Nun hat das Bild einen Platz in meiner Wohnung gefunden.

 

 

Auf der Rückseite des Gemäldes befindet sich ein aufgeklebter Zeitungsartikel, aus dem sich aber leider weder die Quelle noch das Erscheinungsdatum erschließt (Falls es jemand weiß, bitte melden!)

Der Text des Artikels lautet:

„Ein bürgerlicher Künstler
Horst Rumstedt – Kunstmaler, Bildhauer und Dichter

Horst Rumstedt wurde am 30. Januar 1921 in Sangerhausen geboren. Vor Ausbruch des Krieges übersiedelte er nach Düsseldorf, wo er an der Kunstakademie bei Professor Junghans drei Semester absolvierte. Als Freiwilliger nahm er am Weltkrieg teil und wurde viermal verwundet. Zwischendurch fand er Gelegenheit, in Königsberg bei Professor Engel zwei weitere Semester zu belegen. 1945 kam er – zum Oberleutnant befördert – in amerikanische Gefangenschaft, wo er die Zeit bis 1947 zubringen musste. Doch auch dies waren für den Künstler keine verlorenen Jahre. Im Lager wurde eine Künstlergruppe gebildet, der er sich anschloss. Nach seiner Entlassung ließ sich Horst Rumstedt 1947 in Frankfurt nieder.

Mit vier großen Ausstellungen war Horst Rumstedt in seiner Frankfurter Zeit in die Öffentlichkeit getreten. Diesen Ausstellungen folgten weitere in London, in der New Yorker Galerie Herbert Arnout sowie im Unesco-Gebäude in Beirut. Studienreisen führten den Künstler um die halbe Welt. Er besuchte Jugoslawien, Rumänien, Ungarn, die Türkei, Syrien, den Libanon, Pakistan und Afghanistan, Italien, Spanien, Portugal und Frankreich, England, Ägypten und den Sudan.

Neben der Malerei und der Bildhauerei, die im Vordergrund seines Schaffens stehen, ist der Künstler auch literarisch tätig. Romane, Gedichte und Abhandlungen über Malerei und Kunstrichtungen füllen zahlreiche Mappen. Sie alle warten noch auf eine Veröffentlichung, zu der sich Horst Rumstedt bisher noch nicht entschließen konnte.

Bei dieser Vielseitigkeit bleibt sogar noch Zeit für Steckenpferde. Davon zeugt ein prachtvolles Orchideenhaus, das neben dem Bungalow steht und schon urwaldähnlichen Charakter hat. Gesteinssammlungen, alte Waffen und Schmetterlinge weisen auf weitere Interessengebiete hin. Besonders stolz ist Horst Rumstedt jedoch auf kleine Plastiken längst vergangener Epochen, die er selbst auf seinen Reisen ausgegraben hat. Als Prunkstück ziert ein griechisches Säulenkapitel die große Wohnhalle.

Horst Rumstedt nennt sich selbst einen bürgerlichen Künstler. Er lehnt Starallüren grundsätzlich ab. Der Künstler darf sich, so meint er, nicht selbst aus der Gesellschaft ausschließen und zum Bohèmien werden. Er solle vielmehr – genau wie der Mensch in anderen Berufen – in dieser Gesellschaft seinen Mann stehen und seinen Platz ausfüllen. Ihm sei die Aufgabe gestellt, durch seine Werke den Betrachter in geistige Höhen zu führen, ihn zu erfreuen, zu erschüttern oder zu erschrecken.

Nur zu oft werde in der breiten Öffentlichkeit Kunst mit Können verwechselt. Er glaube, so sagte Horst Rumstedt, dass man Kunst von künden ableiten müsse. Der wirkliche Künstler – ob Maler, Schriftsteller oder Musiker – werde schon durch die Tatsache, dass es Worte, Noten oder Farben gebe, dazu gezwungen, seinen Vorstellungen Ausdruck zu geben – sie zu verkünden. Er solle dabei aber nicht hingehen und sich absichtlich durch Neues interessant machen, nur um seiner Spielart die Note eins im Kampf um das goldene Kalb der Anerkennung zu erzwingen. Durch derartige Manipulation werde das Werturteil über ein Kunstwerk verwischt, da man nicht mehr unterscheiden könne: ist es Kunst, oder ist das schon keine Kunst mehr.

Wenn der Künstler zu neuen Formen greife, dann sollten diese Interpretationen der Ideen zwar nicht unbedingt allgemein verständlich sein, jedoch so dargestellt, dass sie nicht zu leicht als Scharlatanerei abgetan werden könnten. Immer müsse man die Wahrhaftigkeit hinter den Dingen spüren, weil damit untalentierten Kräften, die sich nur bewusst hochspielten und als Künstler gebährdeten, die Möglichkeit verschlossen bleibe, sich Künstler zu nennen. Dies sei eine unabdingbare Forderung, da seiner Meinung nach die Dekadenz in der Kunst keine Berechtigung habe. Dies lasse sich schon aus der Aufgabe der Kunst, die Umwelt mitzugestalten, ableiten.

Die Gefahr, dass ein Künstler heute seinen Lebensunterhalt nicht bestreiten könne, liege wohl in erster Linie in der Kontaktarmut. Es sei nun einmal ureigenste Aufgabe des Künstlers, Räume dekorativ zu durchdringen und durch ästhetische Elemente aufzulockern. Wenn der Künstler seine Werke aber ohne Kontakt zu dem möglichen Käufer schaffe, sei der Erfolg ungewiss. Dies bedeute keineswegs, dass er sich in seiner künstlerischen Ausdrucksform ganz dem Käuferwunsch unterordnen solle. Er müsse sich vielmehr bemühen, seinen Ideen Ausdrucksformen zu verleihen, die ansprechen.

Wie weit der Künstler dabei gehe, sei allein ihm überlassen. Er könne abstrahieren und vereinfachen. Völlig Neues werde er dabei wohl nicht finden, denn es gebe nichts, was sich nicht in der Natur finden lasse. Dies zeige sich zum Beispiel bei den Mikroorganismen oder in kristallinen Formen. Auch die Farbimpressionen, wie sie eine nächtliche Großstadt biete, könne man hier nennen.

So sei auch die Plastik „Aufbruch“ nicht völlig abstrakt, sondern setze sich aus bestimmten Grundformen zusammen. Sie solle – und dies sei die Grundidee – die Grenzen menschlichen Wollens zeigen und gleichzeitig einen Ausblick geben auf das Universum, in das der Mensch vorzudringen sich anschicke.“

Foto des Artikels:

Bildunterschrift:

In seinem Atelier absolviert Horst Rumstedt ein ungeheures Arbeitspensum, das jeden Gedanken an Bohème verbannt. Die Werke, die hier zu sehen sind – ob angefangen oder bereits vollendet – zeugen von der Vielseitigkeit des Künstlers, den unser Bild bei der Arbeit zeigt. (Foto: eck)

 

[1] Ein großes Dankeschön an Christine Stadel, dir mir freundlicherweise die Einträge der Familie Rumstedt aus den Adressbüchern im Stadtarchiv Sangerhausen herausgeschrieben hat!

Christine Stadel ist Verfasserin der Reihe "Mansfeld-Südharz", bestehend aus vier Bänden zur Geschichte bekannter Persönlichkeiten aus dem Kreis Sangerhausen:

Band 1, Das Handbuch der (fast) unbekannten Gelehrten, 2012
Band 2, Das Handbuch der (fast) Unbekannten (eine Nachlese), 2014
Band 3, Familiengeschichten, 2015
Band 4, Persönlichkeiten, Schicksale, Geschichten, 2016

In Band 4 ist auch Horst Rumstedt vertreten (S. 177-179).

Diese Seite wurde zuletzt aktualisiert am 30.11.2016

 

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